03.06.2017 - Grosser Umbruch

Beim FC Wangen kommt es nach dem Abstieg zum grossen Umbruch

von Raphael Wermelinger - Nordwestschweiz

Nach vielen Jahren in der 1. Liga muss der FC Wangen nun den schweren Gang in die 2. Liga inter antreten. Sportchef Günay Sengül will diese bereits in der nächsten Saison dominieren. Dafür muss aber zuerst einiges geändert werden im Verein.

«Es tut sehr weh, dass es nicht gereicht hat. Aber das Leben geht weiter, der Verein existiert immer noch.» Dies der Kommentar von Trainer Bejtush Rrustolli zum Abstieg des FC Wangen. Der 48-jährige Ur-Wangner hatte das Team für die letzten drei Meisterschaftsspiele vom geschassten André Fimian übernommen.

Der Wechsel zeigte allerdings nicht die gewünschte Wirkung. Wangen holte in den letzten drei Spielen keinen einzigen Punkt mehr und musste sich vom FC Sursee auf den Abstiegsplatz verdrängen lassen.

«Das Kader hatte nicht die nötige Qualität und war vor allem viel zu schmal», nennt Rrustolli den Hauptgrund für die Relegation. «Dann kam auch noch Verletzungspech hinzu, ich musste zum Beispiel Stürmer als Verteidiger einsetzen in den letzten Spielen.»
Nicht den alten Zeiten nachtrauern

Für ihn ist der Abstieg umso bitterer, weil er als Spieler die glorreichen Zeiten des FC Wangen hautnah miterlebte. «Ich hatte bei Wangen wunderschöne Jahre als Spieler. Wir standen dreimal hintereinander in den Aufstiegsspielen zur NLB und sogar im Achtelfinal des Schweizer Cups.»

Wangen benötigte zwar mehrere Anläufe, in der 1. Liga Fuss zu fassen. Der erste Aufstieg gelang 1991. Seit 1996 spielte der Verein aber durchgehend in der 1. Liga. Fast durchgehend, 2000 gelang gar der Aufstieg in die damalige Nationalliga B. Das Abenteuer dauerte allerdings nur eine Saison.

Den erfolgreichen Zeiten nachzutrauern, sei im Moment aber das falsche Mittel, stellt Rrustolli klar: «Jammern bringt nichts, Wangen muss den Abstieg akzeptieren und nach vorne schauen.»
Zuerst wird Trainerfrage geklärt

Er werde aber definitiv nicht Trainer bleiben in Wangen: «Ich weiss noch nicht, was ich in der nächsten Saison mache, vielleicht eine Pause. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen», beendet Rrutolli das Thema.

Auf Wangens Sportchef Günay Sengül wartet also viel Arbeit. Es braucht nicht nur einen neuen Trainer, auch in Bezug auf das Kader wird es wohl einen grösseren Umbruch geben.

«Wir werden uns von vielen Spielern trennen müssen, das sind nicht immer einfache Entscheide», sagt Sengül, «doch das ist für den Klub auch eine Chance, mit neuen Spielern aus der Umgebung und Spielern aus der zweiten Mannschaft wieder regional Fuss zu fassen.»
Schwierig, die Auflagen zu stemmen

Konkrete Zuzüge oder Abgänge wollte er noch keine nennen. Schliesslich sei der Abstieg erst eine Woche her und die Spieler bräuchten zuerst Zeit, über ihre Zukunft nachzudenken. «Seit dem Abstieg hatte ich praktisch täglich Besprechungen. Ich kann sagen, dass wir auf einem guten Weg sind, etwas Frisches und Neues hinzubekommen», so Sengül. In den nächsten Tagen soll der Entscheid über den neuen Trainer fallen.

Günay Sengül bezeichnet den Fall in die 2. Liga inter als ärgerlich, der FCW-Vorstand habe sich aber sehr schnell wieder aufgerappelt. Demissionen gäbe es in der Klubleitung aufgrund der Relegation keine. «Wir müssen das Schöne mitnehmen. Der FC Wangen war fast dreissig Jahre lang in der 1. Liga. Für einen Dorfverein ist das eine sehr starke Leistung.»

Für einen kleinen Verein wie Wangen sei es in den letzten Jahren permanent schwieriger geworden, die Auflagen der heutigen 1. Liga zu stemmen, führt Sengül weiter aus: «Der FC Wangen ist auch nicht erst letzte Woche abgestiegen. Das war ein schleichender Prozess.»
Kein zweiter Fall Grenchen

Der letzte Solothurner Verein, der sich aus der 1. Liga verabschieden musste, war der FC Grenchen vor zwei Jahren. Die Grenchner wurden in der Folge gleich in die regionale 2. Liga durchgereicht. «Ich habe keine Angst, dass uns das Gleiche passiert», erwidert Sengül.

«Nach so vielen Jahren in der 1. Liga bringen wir genug Erfahrung mit, eine schlagkräftige neue Mannschaft aufzubauen. Wir wollen in der nächsten Saison in der 2. Liga inter vorne mitspielen.»

Der Wiederaufstieg in die 1. Liga könne weder kurz- noch mittelfristig erzwungen werden, doch für den FC Wangen müsse es zumindest das Ziel sein, die 2. Liga inter zu dominieren. Sengül kann dem Abstieg schliesslich noch etwas Positives abgewinnen: «Immerhin gibts jetzt wieder heisse Derbys gegen Olten und Dulliken.»

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